Kleingedrucktes für zukünftige RentnerInnen

     

    Vorsicht ! - www.RiesterRentenbetrug.de

    oder: Dein Geld für die Schornsteine der Finanzmärkte

     

    Spätestens wenn man nach der Ausbildung das erste Geld verdient, stehen die Altersvorsorge-„Berater“ auf der Matte. Beispielsweise die des „Allgemeinen WirtschaftsDienstes“ AWD (siehe z.B. „www.finanzparasiten.de“). Als „Chefökonom“ des AWD dient künftig der ideologischen Aufrüstung dieses „Finanzdienstleisters“ der bekannte Rentenexperte, Ökonom und bis vor kurzem oberste Wirtschaftsweise Prof. Bert Rürup. Er war der Chefarchitekt der Rot-Grünen Rentenreformen und sitzt ab 2009  als Made im selbst gemachten Speck.

     

    Für die „private“ Altersvorsorge soll man mindestens 4 % seines Brutto-Verdienstes, also Monat für Monat bis zum 67. Lebensjahr 100, 150 € oder mehr in „Eigenverantwortung“ einer Versicherung überlassen. Professor Meinhard Miegel vom „Institut für Altersvorsorge“ (Gesellschafter dieses Instituts sind die Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Bauspar AG, DWS Investment GmbH und Deutscher Herold AG) meint gar, 8% seien nötig, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Dies, um die von der Politik programmierte Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus von 58% auf zukünftig 43 % vom Bruttoeinkommen auszugleichen.

     

    Die Facetten des Rentenbetruges

     

    Bei genauer Betrachtung steckt hinter der Rentenreform hin zur „privaten“ Altersvorsorge ein unglaublicher, „multipler“ Volksbetrug, dessen Facetten ohne Anspruch auf Vollständigkeit etwa so aufgelistet werden können:

     

    1. Die umlagefinanzierte, angeblich „nicht mehr bezahlbare“ gesetzliche Rentenversicherung als Non-Profit-Institution hat gerade mal ca. 1,5 % Verwaltungskosten. Sie wird durch die Rürup-Riester-´sche Rentenreform zur Armutsgrenze heruntergefahren (u.a. durch die sog. „Riester-Lücke“), um der Versicherungswirtschaft die Hasen in die Küche zu treiben. Durch Provisionen, Verwaltung, Vorstandsgehälter, Aktionärsgewinne und millionenschwere Werbekampagnen werden bei der Privatrente z.T. bis 20% der Beitragsgelder von den Versicherern abgezweigt (z.B. ARD-Plusminus 05.02.08).
    2. Wenn man 35 oder 40 Jahre lang Riester eingezahlt hat, rentiert sich die Sache erst, wenn man ein mehr als biblisches Alter erreicht. Mit Sterbetafeln, die mehr als 10 Jahre über der durchschnittlichen Lebenserwartung liegen, kalkulieren nämlich die Versicherer (WDR-Monitor vom 22.05.08). Stirbt man vorher, wird die Rendite null bis negativ, das nicht ausgezahlte Kapital, inklusive der gesamten staatlichen Zulagenförderung bleibt bei der Versicherung, ohne Vererbung. Ausnahme sind Ehegatten mit eigenem Riester-Vertrag oder kindergeldberechtigte Sprösslinge (wer dennoch riestert, sollte also Kinder möglichst erst ab 50 in die Welt setzen). Die meisten Verträge sehen eine Vererbung gar nicht erst vor. Bis 25% der so entstehenden Überschüsse können in die Gewinne der Versicherungen fließen.  Siehe auch: www.riesterrentenbetrug.de: Riestern lohnt sich nicht !
    3. Der prozentuale Riester-Anteil, für den eine jährliche Steigerung um 0,5% bis auf 4 % im Jahr 2012 verordnet wurde, führt in der bruttolohnbezogenen Rentenformel zu Kürzungen der Bruttolohnsumme, die für die gesetzliche Rente maßgeblich ist („Riester-Treppe“). – So wird für alle die „Rentenlücke“ immer weiter aufgerissen, mit der die Versicherungen dankbar hausieren gehen. Laut Prof. Rürup eine „genialische“ Leistung des Herrn Riester.
    4. Immer mehr Geringverdiener riestern ohnehin für die Katz, ihre gesetzliche Rente liegt künftig unter der Armutsgrenze und ihre Riester-Rente wird mit der Grundsicherung verrechnet (WDR-Monitor vom 10.01.08).
    5. Die staatliche Förderung, die die Rendite der Riester-Rente nicht wesentlich aufbessert, ist im Grunde nur ein Ausgleich für die doppelte Versteuerung des Geldes. Denn man zahlt den Beitrag aus dem schon versteuerten Netto-Einkommen und bezahlt beim Rentenbezug noch mal Steuern. Als Steuerzahler hat man die Riester-Förderung aber sowieso selbst bezahlt – als Milliardensubvention für die Banken und Versicherungen. Eine Steuererstattung gibt es nur für Besserverdiener, wenn die Erstattung die Höhe der Zulagen überschreitet.
    6. Die Verwaltung der Riester-Rente erfordert zusätzlich neben der gesetzlichen Rentenversicherung eine zweite und dritte Verwaltungsbürokratie: die der Versicherungen selbst und die der „Zentralen Zulagenstelle“, die im Rahmen der Deutschen Rentenversicherung Bund aus Steuergeldern bezahlt wird – eine weitere versteckte Subvention der Finanzindustrie.
    7. Die Propaganda von der „Unbezahlbarkeit“ des Generationenvertrages bzw. der umlagefinanzierten Rente ist ökonomisch völlig unhaltbar. Die kapitalgedeckte Privatrente muss zukünftig genauso von weniger Jungen für mehr Alte aus dem jeweils aktuellen Sozialprodukt erwirtschaftet werden, wie die solidarische, gesetzliche Rente. Siehe dazu die Folien-Präsentation zum „Mackenroth-Theorem“ auf www.nachdenkseiten.de vom 28. 11. 2007. Mackenroth besagt grundsätzlich: „Aller Sozialaufwand muss immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden“. Die kapitalgedeckte Rente ist also überhaupt nicht „demografiesicherer“, als die umlagefinanzierte. Wenn professorale Finanzlobbyisten - ob sie Rürup, Raffelhüschen, Miegel oder Sinn heißen – auch noch so unablässig das Gegenteil behaupten und mit Ihnen alle Gebetsmühlen der Versicherungsindustrie, so ist dies der ideologische Nebel, unter dem der Rentenbetrug durchgezogen wird.
    8. 1960 kam 1 Rentner auf 5 Erwerbstätige, heute 2008 sind es 1 zu 2 und 2050 sollen es 1 zu 1 sein. Na und ? Der Übergang von einem „1/5“-Rentner pro Erwerbstätigen zu einem „1/2“ Rentner pro Erwerbstätigen von 1960 bis 2008 erfolgte in 48 Jahren. Die Belastung der Erwerbstätigen stieg dadurch im langfristigen Durchschnitt um etwa 0,5 %. Bei einer Steigerung von nur 1,4 % jährlich verdoppelt sich dagegen die Produktivität der Erwerbstätigen in 50 Jahren. Damit kann auch die Altersversorgung – wie in der Vergangenheit - bei wachsendem Wohlstand für Alle locker finanziert werden. Nicht Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung führen zu Rentenabbau und Altersarmut, sondern ausschließlich die neoliberalen „Reformen“ mit dem eigentlichen Zweck der Umverteilung von unten nach oben, vom Arbeitslohn zum Profit.
    9. Der Rürup-Riestersche Verarmungsprozeß der heutigen und zukünftigen Rentner bedeutet im Kern und zur Hauptsache eine massive Erhöhung der Kapital-Profite. Die gesetzliche Rente ist ein solidarischer Fonds der Arbeitenden, ein Lohnbestandteil. Durch die Absenkung der paritätisch finanzierten Rentenbeiträge - sprich „Senkung der Lohnnebenkosten“ - wird der hälftige Anteil der Arbeitgeber den Unternehmensgewinnen zugeschlagen. Die so enteigneten Arbeitnehmer müssen diese Hälfte „privat“ aus ihrem Nettolohn ausgleichen bei sinkenden Alterseinkommen. Es geht um ein Umverteilungsvolumen in satter 2-stelliger Milliardenhöhe – und das Jahr für Jahr…....
    10. Die angesammelten Kapitalien werden der Kaufkraft der Lohnabhängigen und Rentner entzogen (Sparbremse für die Konjunktur) und blähen die Finanzmärkte weiter auf. Deutsche Pensionsfonds sollen im weltweiten Kasino der Heuschrecken mitspielen mit allen Risiken der Finanzkrisen mit „Wertberichtigungen“ und Hunderten an verbrannten Milliarden, für die am Schluss die Arbeitenden und Steuerzahler bluten sollen.

     

     

    Dez. 2008

    www.gerechteRente.net

    Netzwerk für eine gerechte Rente - Initiative Darmstadt

    V.i.S.P: K.-H. Goll. DGB-Stadtverband Darmstadt

     

     


     

     

    Diskurs zu "Kleingedrucktes" vs. DGB Bundesvorstand

     

     

    Nach Veröffentlichung der ersten Version dieses Flugblattes erhielten wir von einem Referenten des DGB-Bundesvorstandes, zuständig für „Alterssicherung und Rehabilitation eine kritische mail:

     

    Er stellte eingangs fest, „dass der DGB die Riester-Reform zunächst kritisch begleitet, sie aber am Ende akzeptiert hat. Wir wenden uns nicht gegen die Kapitaldeckung an sich, wir halten sie ökonomisch in einem gewissen Umfang sogar für sinnvoll…“

     

    Weiter verwies er auf die Chancen der internationalen Kapitalmärkte.

     

    Ich will hier nur auf einen Punkt aus den weiteren „gutgemeinten Hinweisen“ aus Berlin näher eingehen:

     

    Unter Punkt 2 des „Kleingedruckten“ beziehen wir uns auf den Monitor-Bericht vom 22. Mai 2008, in dem aufgezeigt wurde, dass sich die Riester-Rente überhaupt nur rentiert, wenn man ein biblisches Alter weit über der normalen Lebenserwartung erreicht.

     

    Dazu entgegnete der DGB-Referent: „Die Monitor-Berechnungen waren aber nachweisbar tendenziös gerechnet, um nicht zu sagen, an den Haaren herbeigezogen…“

     

    Auf meine Bitte, den Nachweis, (für das „nachweislich falsch) zu liefern, gab es bis heute keine Antwort.

     

    Ich korrespondierte daraufhin mit der „Deutschen Aktuar-Vereinigung“ (Standesorganisation von Versicherungsmathematikern), auf die sich „Monitor“ bezogen hatte und mit der Redaktion Monitor und erhielt lange und ausführliche Darlegungen.

     

    Hierbei ging es z.B. um Sterbetafeln 1. und 2. Ordnung, für Männer und Frauen bzw. beide, um Selektionseffekte beim Abschluss und bei Rentenbeginn, um Unterschiede zwischen Riester-Versicherungen und "herkömmlichen" privaten Rentenversicherungen mit jeweils anderen Personenkreisen (letztere werden überwiegend von Personen mit höheren Durchschnittseinkommen und längerer Lebenserwartung abgeschlossen), um Modellrechnungen, Barwerte etc.... ein weites Feld.

     

    Als Fazit muss man festhalten, dass die Bewertung von Monitor völlig zutreffend und keineswegs tendenziös war. Es ist nicht zu rechtfertigen, bei Riester-Renten Sterblichkeitstafeln der schon länger am Markt angebotenen privaten Rentenversicherungen (für meist langlebige Besserverdienende) einzusetzen.

     

    Letztlich gibt es genügend weitere Informationen, dass der Monitor-Bericht richtig und keineswegs „nachweislich falsch“ ist.

     

    Es bleibt zu hoffen, dass sich auch unter den MitarbeiterInnen des DGB-Bundesvorstandes die Begeisterung für die kapitalgedeckte Altersvorsorge legt.